Revolution
14. Juli 1789 - Sturm auf die Bastille
Im Frühjahr 1789 versammelten sich im prunkvollen Schloss von Versailles die Generalstände des Königs, um die drohende Zahlungsunfähigkeit Frankreichs abzuwenden. Aus dem gesamten Königreich reisten Delegierte an, während im dritten Stand eine tiefe Hoffnung auf echtes politisches Mitspracherecht keimte. Dieser vertretenen Bevölkerungsmehrheit ging es vor allem um eine Reform des veralteten Abstimmungsverfahrens: Statt wie bisher nach den drei Blöcken von Klerus, Adel und Bürgerstand zu votieren, verlangten die Vertreter der Bevölkerung die Zählung nach Köpfen. Nur so konnte vermieden werden, dass die beiden datiert bevorrechtigten Stände jede Erneuerung im Keim erstickten. Als Adel und Geistlichkeit mehrheitlich starrsinnig verweigerten, auf diese Forderung einzugehen, vollzogen die Abgeordneten des dritten Standes am 17. Juni 1789 einen beispiellosen Schritt der Selbstermächtigung und konstituierten sich eigenständig als Nationalversammlung.
Unter den Abgeordneten im majestätischen *Hôtel des Menus-Plaisirs* befand sich auch ein junger Jurist aus der nordfranzösischen Provinz Artois. Maximilien Marie Isidore Robespierre, aus dem beschaulichen Arras stammend, spielte in den ersten Wochen des Umbruchs noch eine unbedeutende Rolle. Seine unscheinbare äußere Erscheinung, das etwas steife Auftreten und eine wenig mitreißende Rhetorik hoben ihn kaum aus der Masse hervor. Mehr noch: Seine kompromisslosen, fast schon starren Ansichten zur Gleichheit riefen bei den aristokratischen und großbürgerlichen Abgeordneten oft spöttisches Gelächter hervor. Erst als Robespierre den regelmäßigen Sitzungen im Pariser Jakobinerkloster beitrat, das rasch zum Zentrum der Radikalisierung wurde, wendete sich das Blatt. Dank seiner unbeirrbaren Zähigkeit und einem Ruf makelloser Unbestechlichkeit verschaffte er sich schrittweise den Respekt und den politischen Einfluss, der ihn später an die Spitze der Revolution tragen sollte.
König Ludwig XVI. versuchte derweil vergeblich, die Dynamik in Versailles zu brechen. Unter dem Vorwand anstehender Bauarbeiten ließ die Krone das Parlamentsgebäude am Morgen des 20. Juni kurzerhand durch Wachen sperren. Unbeeindruckt davon wichen die Abgeordneten bei strömendem Regen in eine nahegelegene, spartanische Sporthalle aus. In diesem eigentlichen Spielhaus für das königliche Ballspiel schworen die Parlamentsmitglieder den historischen Ballhausschwur: Sie gelobten, sich unter keinen Umständen zu trennen, bis sie dem Königreich Frankreich eine feste Verfassung gegeben hätten. Dieser Akt beflügelte selbst reformerscheinende Mitglieder der ersten beiden Stände, die sich scharenweise der Versammlung anschlossen, doch der Hof suchte den Machtverlust weiterhin mit Verordnungen aufzuhalten.
Per königlichem Beschluss erklärte der Monarch die Versammlung für unrechtmäßig und befahl die Rückkehr zu den getrennten Beratungen. Doch der Befehl verhallte wirkungslos. Die Abgeordneten blieben ihrem Eid treu, und an dieser Schwelle offenbarte sich vollends die fehlende Durchsetzungskraft Ludwigs XVI. Statt konsequent durchzugreifen, gab er nach wenigen Tagen nach und wies die verbliebenen Standesvertreter sogar an, sich der Nationalversammlung anzuschließen. Bereits in der royalen Sitzung vom 23. Juni hatte Graf Mirabeau den Bruch auf den Punkt gebracht. Mit den berühmten Worten im Namen des dritten Standes verkündete er dem königlichen Zeremonienmeister, man werde dem Befehl des Königs nicht gehorchen und weiche allein der Übermacht der Bajonette. Damit war der Bruch mit dem Absolutismus vollzogen.
Noch glaubte Ludwig XVI., das Heft des Handelns mit militärischer Härte an sich reißen zu können. Am 11. Juli entließ er überraschend seinen Finanzminister Jacques Necker, der aus Genf stammte und beim Volk als moderater Reformer und Garantie für bezahlbares Brot galt. Obwohl die Versammlung Neckers Politik durchaus kritisch sah, schätzte man seine ausgleichende Art als letzte Chance auf eine unblutige Lösung. Um die konstituierende Arbeit des Parlaments zu unterbinden, ließ der König verdeckt deutsche und Schweizer Söldnerregimenter rund um Paris und Versailles zusammenziehen. Das Gerücht einer unmittelbar bevorstehenden Belagerung versetzte die Pariser Bevölkerung in helle Aufregung. Zur Verteidigung der Nationalversammlung und zur Aufrechterhaltung der Ordnung formierte sich in den Straßen der Hauptstadt rasch eine bewaffnete Bürgerwehr. Diese Truppe, gekleidet in die Farben der Stadt Paris – Blau und Rot –, sollte schon bald als Nationalgarde Geschichte schreiben.
Sturm auf die Bastille - Die Französische Revolution (Wilhelm Blos)
Auf der Suche nach Chancen
Im April 1789 wurde Napoleon Zeuge der ersten Unruhen und versuchte mit seiner Kompanie die Ordnung aufrechtzuerhalten. Im Im Frühjahr 1789 geriet ganz Frankreich ins Wanken, als Teuerungen und politische Spannungen das Ancien Régime erschütterten. Im April dieses Schicksalsjahres erlebte der junge Artillerieoffizier Napoleon Buonaparte in der burgundischen Stadt Seurre hautnah die ersten brutalen Brot-Krawalle. Als Befehlshaber seiner Kompanie versuchte er verzweifelt, die Ordnung auf den Straßen aufrechtzuerhalten, während das Land unaufhaltsam in den Abgrund der Revolution steuerte. Im darauffolgenden August erfasste die Meuterei schließlich auch sein eigenes Regiment La Fère im zentralfranzösischen Auxonne. Inmitten dieses zusammenbrechenden Machtgefüges keimte in Napoleon die kühne Hoffnung auf, den kolossalen Autoritätsverlust der französischen Krone auf seiner Heimatinsel ausnutzen zu können. Voller Ehrgeiz reiste er ins heimische Ajaccio, um seine Visionen von einem eigenständigen, souveränen Korsika in die Tat umzusetzen. Diese Hoffnungen wurden jedoch jäh zerschlagen, denn der legendäre korsische Freiheitsheld Pasquale Paoli hatte keineswegs vergessen, dass die Familie Buonaparte nach der blutigen französischen Annexion der Insel im Jahr 1769 auf die Seite der Besatzer gewechselt war. Nach einundzwanzig langen Jahren im Londoner Exil kehrte Paoli nun im Triumph nach Korsika zurück und festigte umgehend seine Macht als oberster Befehlshaber der neu formierten Nationalgarde sowie als Präsident der Departementverwaltung.
Nach diesem Dämpfer kehrte Napoleon im Februar 1791 zu seinem Garnisonsdienst im südfranzösischen Valence zurück. Dort schloss sich der ambitionierte Oberleutnant dem örtlichen Jakobinerclub an und wandelte sich rasch zu einem glühenden Verfechter einer radikalen, republikanischen Lösung für die Zukunft Frankreichs. Doch das Schicksal seiner Heimat ließ ihn nicht los, und so reiste er bereits im September 1791 erneut nach Korsika. Dieser ungenehmigte Aufenthalt hatte schwerwiegende Konsequenzen: Als er sich im Januar 1792 nicht wie gefordert bei seinem Regiment zurückmeldete, strich ihn das Pariser Kriegsministerium kurzerhand wegen Fahnenflucht aus den Stammrollen der Armee. Die neu gewonnene Freiheit nutzte Napoleon jedoch umgehend, um sich im korsischen Machtkampf zu positionieren, und ließ sich zum stellvertretenden Kommandanten eines der neu gebildeten korsischen Freiwilligenbataillone wählen.
Schon bei diesen ersten militärischen Gehversuchen zeigte sich unmissverständlich, dass der stolze Korsenjunge nur äußerst widerwillig fremden Befehlen gehorchte. Mit eigenmächtigen Aktionen und dem Versuch, die Kontrolle über die Zitadelle von Ajaccio zu erlangen, zog er sich rasch den bitteren Unmut der einflussreichen korsischen Factionen zu. Napoleon erkannte die Ausweglosigkeit seiner Lage auf der Insel und reiste im Mai 1792 ins von revolutionären Wirren erschütterte Paris, um seine Reorganisation zu erwirken. Mit Geschick und Begünstigung durch die politischen Umstände gelang ihm das Kunststück: Am 16. Juli 1792 wurde er offiziell wieder in die französische Armee aufgenommen und sogar zum Hauptmann befördert. Dennoch tobe in seinem Inneren weiterhin der zermürbende Konflikt zwischen seiner korsischen Identität und seiner französischen Offizierspflicht. Trotz der drohenden Gefahren verließ er sein Regiment erneut und kehrte abermals nach Korsika zurück, wo er im Rang eines Oberstleutnants der Freiwilligen wieder für die Sache der Insel einzutreten versuchte. Doch auch diesmal machte ihm die tief verwurzelte, unüberbrückbare Fehde zwischen Paoli und dem Clan der Buonapartes einen Strich durch die Rechnungen.
Die dramatische Eskalation folgte im Frühjahr 1793: Napoleons jüngerer Bruder Lucien hielt im Südfrankreich gelegenen Kriegshafen Toulon eine flammende Rede vor den dortigen Jakobinern und klagte Paoli des Verrats an Frankreich an. Der Nationalkonvent in Paris erließ daraufhin prompt einen Haftbefehl gegen den korsischen Führer. Diese Nachricht entfachte auf der Insel einen Sturm der Entrüstung und brachte die aufgebrachte Bevölkerung von Ajaccio endgültig gegen die Familie Buonaparte auf, die nun als Nestbeschmutzer und Verräter galt. Der wütende Mopp plünderte und verwüstete das Stammhaus der Familie, die Casa Buonaparte. Unter Todesangst mussten Napoleon, seine Mutter Letizia und seine Geschwister über den Seeweg auf das französische Festland flüchten. Durch diesen erzwungenen Bruch mit der Heimat gab es kein Zurück mehr: Von diesem dramatischen Wendepunkt an war das Schicksal der Familie Buonaparte unwiderruflich und für immer an die Zukunft der Französischen Republik gebunden.
27. August 1791 - Pilltnitzer Deklaration
Im Zuge der Französischen Revolution beschloss die Pariser Nationalversammlung am 4. und 11. August 1789 die grundlegende Abschaffung des Feudalsystems. Dieser Beschluss traf in der Folge auch die im Elsass und in Lothringen begüterten deutschen Reichsfürsten und Reichsstände – darunter die Fürstbischöfe von Straßburg und Speyer sowie die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken und Württemberg. Entgegen den völkerrechtlichen Zusicherungen des Westfälischen Friedens von 1648 wurden deren traditionelle Feudalrechte, Zehnten und Abgaben ohne jegliche Entschädigung ersatzlos aufgehoben. Diese Enteignung stellte einen schweren Eingriff in die Souveränitätsrechte des Heiligen Römischen Reiches dar und löste an den europäischen Höfen erhebliche Entrüstung aus.
Zusätzliche Brisanz erhielt die Lage durch die Ereignisse vom Juni 1791, als der Fluchtversuch der französischen Königsfamilie nach Varenne scheiterte und Ludwig XVI. sowie seine Gemahlin Marie Antoinette – eine geborene Erzherzogin von Österreich und Schwester von Kaiser Leopold II. – unter Hausarrest im Tuilerien-Palast gestellt wurden. Um über die polnische Frage, die Reorganisation des Reiches und vor allem über das Vorgehen gegen die französische Revolution zu beraten, trafen sich vom 25. bis 27. August 1791 Kaiser Leopold II. und König Friedrich Wilhelm II. von Preußen im sächsischen Lustschloss Pillnitz an der Elbe nahe Dresden. Als Gastgeber fungierte Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen, der sich jedoch strikt neutral verhielt und nicht als Unterzeichner auftrat.
Massiv beeinflusst durch das Drängen französischer Émigrés – allen voran der Graf von Artois (der spätere König Karl X.) und der Prinz von Condé –, formulierten der kaiserliche Kanzler Wenzel Anton von Kaunitz und die Monarchen die Pillnitzer Deklaration. Am 27. August 1791 gaben Österreich und Preußen die gemeinsame Erklärung ab. Darin betonten sie, dass das Schicksal des französischen Königs eine Sache von gemeinsamem Interesse für alle Souveräne Europas sei. Sie erklärten sich bereit, militärisch einzugreifen, um die Ordnung in Frankreich wiederherzustellen – knüpften dies jedoch an eine entscheidende diplomatisches Hintertür: Eine Intervention sollte nur erfolgen, falls alle übrigen europäischen Großmächte (insbesondere Großbritannien unter William Pitt dem Jüngeren sowie Russland unter Katharina der Großen) ebenfalls zustimmten.
Da Kaiser Leopold II. wusste, dass England zu diesem Zeitpunkt keinen Krieg anstrebte, war die Deklaration primär als Beruhigung für die französische Emigrantenszene und als psychologische Drohkulisse gedacht. In Paris entfaltete das Dokument jedoch die gegenteilige Wirkung: Die revolutionären Kräfte, allen voran die Gruppierung der Girondisten um Jacques Pierre Brissot, interpretierten den Text als ultimative Kriegserklärung der absolutistischen Monarchien. Die Pillnitzer Deklaration radikalisierte die Innenpolitik dermaßen, dass die französische Nationalversammlung im April 1792 schließlich Österreich den Krieg erklärte, was den Ausbruch des Ersten Koalitionskrieges bedeutete.
Die Pillnitzer Fürstenversammlung - J.H. Schmidt (1791)
29. August 1792 - Belagerung von Verdun
Ende August 1792 stand die Französische Revolution vor ihrer ersten existenziellen Belastungsprobe an den Grenzen des Landes. Nach dem Ausbruch des Ersten Koalitionskrieges rückte ein alliierter Truppenverband unter dem Befehl des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig auf französisches Territorium vor. Die preußisch-österreichische Invasionsarmee zielte direkt auf Paris ab, um die Bourbonenmonarchie wiederherzustellen. Als Schlüssel zur Hauptstadt galt die Festung Verdun, eine strategisch herausragende Bastion an den Ufern der Maas im Nordosten Frankreichs. Wer Verdun beherrschte, besaß nicht nur den Zugang zu den fruchtbaren Ebenen der Champagne, sondern öffnete auch die Straße gen Westen.
Am 29. August 1792 erreichten die preußischen Vortruppen das Umland der Festung und schlossen den Belagerungsring um die Stadt. Die Bedingungen für die Verteidiger standen von Beginn an unter keinem guten Stern. Obwohl die Befestigungsanlagen von Verdun einst von dem berühmten Festungsbaumeister Vauban entworfen worden waren, befand sich die Anlage in einem vernachlässigten Zustand. Zudem schien die Garnison unter dem Kommando des linientreuen und unerschütterlichen Oberst Nicolas-Joseph Beaurepaire kaum in der Lage, einer modernen Belagerungsartillerie langfristig standzuhalten. Die Truppe war numerisch unterlegen, schlecht ausgerüstet und durch die politischen Spannungen der Revolutionsjahre tief gespalten. Demgegenüber stand eine hochdisziplinierte Invasionsarmee, die fest mit einem raschen Erfolg rechnete.
Bereits am Tag des Eintreffens forderten die Alliierten die Stadt zur bedingungslosen Übergabe auf. Oberst Beaurepaire wies das Ultimatum nachdrücklich zurück und versuchte, den Verteidigungswillen der Truppe und der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Doch im Inneren der Stadt wuchs rasch die Panik. Die Bürgerschaft fürchtete eine zerstörerische Bombardierung und drängte den Rat der Stadt, Verhandlungen einzuleiten, um ein Blutvergießen und die Entwertung ihres Eigentums abzuwenden. Der Streit zwischen den militärischen Befehlshabern, die bis zum Äußersten kämpfen wollten, und den zivilen Vertretern der Stadt lähmte die effektive Verteidigung noch bevor die ersten schweren Geschütze vollends in Stellung gebracht werden konnten.
Die preußische Artillerie eröffnete schließlich das Feuer und setzte Teile der Stadt durch Brandbomben in Flammen. Dies verstärkte den Druck auf das Militärkommando ins Unermessliche. Als Beaurepaire erkennen musste, dass der Stadtrat hinter seinem Rücken Kapitulationsverhandlungen mit dem Herzog von Braunschweig vorbereitete, wählte er in der Nacht zum 2. September den Freitod. Mit dem Tod ihres Kommandanten brach der verbliebene Widerstandsgeist der Verteidiger endgültig zusammen, woraufhin die Festung wenig spätestens am selben Tag kapitulierte.
Die Einnahme Verduns löste in Paris eine Welle der Hysterie und der Paranoia aus. Die Vorstellung, dass die feindliche Armee nun ohne größere Hindernisse nach Paris marschieren könnte, befeuerte die Angst vor aristokratischen Verschwörungen im Inneren. Diese Panik entledigte sich schlussendlich in den blutigen Septembermorden an vermuteten Gegenrevolutionären. Gleichzeitig erzwang der Fall von Verdun eine maximale Mobilisierung der revolutionären Streitkräfte, die nur drei Wochen später in der Kanonade von Valmy den Vormarsch der Koalitionstruppen überraschend stoppen sollten.
20. September 1792 - Kanonade von Valmy
Im Zuge des Ersten Koalitionskrieges offenbarten sich bereits in den Auftaktgefechten in den Österreichischen Niederlanden – dem heutigen Belgien – eklatante Koordinationsmängel aufseiten der anti-revolutionären Allianz. Das französische Heer, geschwächt durch die Flucht zahlreicher aristokratischer Offiziere, wurde von den österreichischen Verteidigern rasch zurückgeschlagen. Der daraus resultierende Unmut und die Unordnung in den Reihen der Franzosen boten den verbündeten Mächten eine außerordentliche strategische Gelegenheit. Doch anstatt diesen Vorteil entschlossen zu nutzen, verstrich wertvolle Zeit, da die preußischen und österreichischen Truppen ihre Aufrüstung sowie die logistische Mobilmachung nur mit großer Zögerlichkeit vorantrieben.
Erst im Spätsommer des Jahres 1792 überschritt das Invasionsheer unter dem Oberbefehl des erfahrenen Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig die französische Grenze. Der Vormarsch führte die Koalitionstruppen durch die dichten Wälder der Argönnen direkt in das Hügelland der Champagne, mit dem erklärten Ziel, rasch auf Paris vorzurücken und die bedrängte Monarchie zu retten. Die Zuversicht der Alliierten, die französischen Royalisten würden sich in Scharen als Befreier an ihre Seite stellen, erwies sich jedoch als fataler Trugschluss. Stattdessen entfachte der Vormarsch im revolutionären Frankreich eine Welle des nationalen Enthusiasmus, die Tausende Freiwillige aus allen Landesteilen in die Neugründung der Revolutionsarmee strömen ließ.
Die entscheidende Wende folgte schließlich am 20. September 1792 bei der beschaulichen Windmühle nahe dem Dorf Valmy. In einer stundenlangen, von starkem Nebel und durchnässtem Boden geprägten Kanonade traten rund 50.000 französische Soldaten unter den Generälen François-Christophe Kellermann und Charles-François Dumouriez den preußischen Verbänden entgegen. Der unerwartete Standhaftigkeit der diszipliniert feuerten Truppen erschütterte den Moral der Invasoren nachhaltig. Ohne eine große Infanterieschlacht zu erzwingen, gelang es den Truppen der Republik, das Blatt zu wenden, den feindlichen Vormarsch endgültig zu stoppen und unmittelbar darauf selbst zur Offensive in Richtung Rhein überzugehen.
Obwohl Kellermann diesen historischen Wendepunkt entscheidend mitgestaltet hatte, sah er sich kurz darauf mit scharfen Vorwürfen konfrontiert. Kritiker warfen ihm vor, den anschließenden Rückzug der geschwächten Preußen nicht energisch genug verfolgt zu haben. Nach einem Freispruch vor dem Revolutionstribunal rehabilitiert, würdigte Napoleon Bonaparte seine Verdienste Jahre später mit der Ernennung zum Herzog von Valmy. Als Kellermann im Jahr 1820 verstarb, wurde sein Herz seinem Wunsch entsprechend in einem Gedenkstein direkt auf dem einstigen Schlachtfeld von Valmy beigesetzt, womit seine tiefe Verbindung zu diesem Ort der französischen Geschichte ihr dauerhaftes Symbol erhielt und nicht tatkräftig genug durchgeführt zu haben. Er wurde freigesprochen und später von Napoleon zum Herzog von Valmy erhoben. Sein Herz wurde 1820 auf dem dortigen Schlachtfeld unter einem Gedenkstein beigesetzt.
Die Schlacht von Valmy - Horace Emile Jean Vernet (1789 - 1863)
6. November 1792 - Schlacht bei Jemappes
Im späten Herbst des Jahres 1792, wenige Wochen nach dem Kanonenschuss von Valmy, verlagerte sich der Schwerpunkt des Ersten Koalitionskrieges in die Österreichischen Niederlande. Die im September ausgerufene Erste Französische Republik stand unter enormem Druck, verwandelt den anfänglichen Verteidigungskampf jedoch rasch in eine offensive Ideologie der Befreiung. Unter dem ehrgeizigen Oberbefehl von General Charles-François Dumouriez stieß die *Armée du Nord* mit rund 40.000 Mann nach Norden vor, um die habsburgische Herrschaft im heutigen Belgien zu brechen. Ihr trat der kaiserliche Feldmarschall Albert Kasimir von Sachsen-Teschen gemeinsam mit Feldzeugmeister François Sébastien de Clerfayt entgegen. Obwohl die österreichischen Truppen mit knapp 14.000 Soldaten zahlenmäßig drückend unterlegen waren, wiesen sie eine hohe Disziplin auf und wählten eine hervorragend gesicherte Verteidigungsstellung auf den Höhenzügen zwischen Cuesmes und dem Dorf Jemappes nahe der Festungsstadt Mons. Sie schützten ihre Stellungen durch Schanzen, Verhaue und geschickt gestaffelte Artilleriebatterien.Am kühlen Morgen des 6. November 1792 eröffnete ein stundenlanges Duell der Geschütze das Geschehen, bei dem die französische Artillerie unter Aufbietung des modernisierten Gribeauval-Systems versuchte, Breschen in die feindlichen Erdwälle zu schlagen. Gegen Mittag befahl Dumouriez den allgemeinen Sturmangriff in massierten Kolonnen – eine Taktik, die den mangelnden Ausbildungsstand der frisch ausgehobenen Rekruten durch schiere Masse und Impuls ausgleichen sollte. Unter vernichtendem Kartätschen- und Kreuzfeuer der kaiserlichen Verbände unter General Johann Peter Beaulieu geriet der französische Vorstoß auf dem rechten Flügel und im Zentrum jedoch ins Stocken. In dieser kritischen Phase erwies sich das entschlossene Eingreifen des erst neunzehnjährigen Herzogs von Chartres – des späteren Bürgerkönigs Louis-Philippe – als schlachtentscheidend. Er sammelte die weichenden Truppen im Zentrum, formierte sie zu einer geschlossenen Angriffswelle neu und führte sie persönlich mit gezogenem Degen gegen die österreichischen Redouten. Mit den Strophen der *Marseillaise* und den Rhythmen des *Ah! ça ira* auf den Lippen erstürmten Linieninfanterie und Freiwilligenbataillone im Bajonettkampf die steilen Hänge.
Nach blutigen Nahkämpfen überrannten die Franzosen schließlich die feindlichen Stellungen und zwangen die Kaiserlichen zu einem geordneten Rückzug über die Seine Richtung Brüssel. Trotz hoher eigener Verluste war der Erfolg bei Jemappes von immanenter historischer Tragweite, da er den ersten großen Offensivsieg der Revolutionsarmee in einer offenen Feldschlacht markierte. Binnen weniger Wochen fielen Mons, Brüssel, Antwerpen und Lüttich unter französische Kontrolle. Der militärische Triumph bestärkte den Nationalkonvent in Paris darin, noch im selben Monat das berühmte Dekret vom 19. November zu erlassen, welches allen Völkern Unterstützung beim Sturz absolutistischer Herrscher zusagte. Jemappes bewies den europäischen Mächten nachdrücklich, dass der revolutionäre Enthusiasmus in Kombination mit der beginnenden Massenmobilmachung die etablierten Berufsarmeen des Ancien Régime auf fremdem Territorium schlagen konnte, und bereitete den Boden für die jahrelange französische Hegemonie in Westeuropa.
21. Januar 1793 - Hinrichtung von König Ludwig XVI.
Am eiskalten, nebligen Morgen des 21. Januar 1793 vollzog sich in Paris das endgültige Schicksal der französischen Monarchie. Bereits um fünf Uhr morgens erwachte der abgesetzte König Ludwig XVI., im revolutionären Sprachgebrauch nur noch Bürger Louis Capet genannt, in seiner Zelle im düsteren Temple-Turm. Er kleidete sich schlicht, hörte eine letzte Messe und empfing die Absolution von seinem Beichtvater, dem irischen Priester Henry Essex Edgeworth. Kurz vor neun Uhr trat der Scharfrichter Charles-Henri Sanson an den ehemaligen Herrscher heran, um ihn zur Hinrichtungsstätte zu geleiten.Eine grüne Kutsche brachte den König in einer knapp zweistündigen Fahrt zum Ort der Vollstreckung. Die Straßen der Hauptstadt waren von gut 80.000 bewaffneten Nationalgardisten und Soldaten gesäumt, die eine dichte Wand bildeten, um jeden etwaigen Befreiungsversuch königstreuer Kräfte im Keim zu ersticken. Ein tiefes, bedrückendes Schweigen lag über den Menschenmengen entlang der Route. Der König verbrachte die Fahrt in stoischer Ruhe und betete aufmerksam in den Psalmen.
Gegen zehn Uhr traf der Tross auf der *Place de la Révolution*, der heutigen *Place de la Concorde*, ein. In der Mitte des Platzes ragte das hölzerne Gerüst der Guillotine auf, errichtet direkt neben dem leeren Sockel des im Vorjahr gestürzten Reiterdenkmals seines Großvaters Ludwig XV. Nach dem Aussteigen weigerte sich Ludwig zunächst standhaft, sich von den Assistenten des Scharfrichters die Hände binden zu lassen, da er dies als schwere Demütigung empfand. Erst als Beichtvater Edgeworth ihm zusprach, dieses Opfer im Gedenken an das Leiden Christi zu erbringen, fügte sich der König und ließ sich die Arme auf dem Rücken fesseln. Zudem schnitt man ihm den Kragen seines Hemdes weg und kürzte sein Haar am Nacken.
Mit festem Schritt bestieg Ludwig die steilen Stufen des Schafotts. Oben angekommen, trat er überraschend an die Brüstung des Podests, wandte sich an die gewaltige Menschenmenge und rief mit lauter, gefasster Stimme, er sterbe vollkommen unschuldig an den ihm zur Last gelegten Verbrechen. Er verzieh den Urhebern seines Todes und betete darum, dass sein Blut nicht über Frankreich kommen möge. Bevor er jedoch weitere Worte an das Volk richten konnte, gab der kommandierende General der Nationalgarde, Antoine Joseph Santerre, das Kommando zum Trommelwirbel. Das lautstarke Dröhnen der Trommeln übertönte die Stimme des Königs augenblicklich und erstickte seinen Appell im Keim.
Die Gehilfen rissen den Monarchen sogleich vom Rand der Plattform zurück und schnallten ihn auf dem beweglichen Brett der Guillotine fest. Sein Hals wurde in die hölzerne Halterung geklemmt. Um Punkt 10:22 Uhr löste der Scharfrichter den Mechanismus, und das schwere, schräge Stahlbeil sauste herab. Sekunden später griff einer der Henkersknechte in den Auffangkorb, hob den abgetrennten Kopf an den Haaren empor und präsentierte ihn der schauenden Menge. Ein lautstarker Jubel brach aus den Reihen der Nationalgardisten und Zuschauer hervor; Rufe wie "Es lebe die Republik!" und "Es lebe die Freiheit!" hallten über den weiten Platz, während manche Bürger nach vorne drängten, um Tücher in das Blut des hingerichteten Königs zu tauchen.
1. März 1793 - Erste Schlacht bei Aldenhoven
Am 1. März 1793 erlebte das Rheinland mit der Ersten Schlacht bei Aldenhoven einen dramatischen Wendepunkt im Ersten Koalitionskrieg. Nachdem die französische Revolutionsarmee im Herbst 1792 nach dem Sieg bei Jemappes weit in die Österreichischen Niederlande vorgerückt war, schien ihr Siegeszug unaufhaltsam. Doch das Frühjahr 1793 brachte die entscheidende Gegenoffensive der kaiserlich-österreichischen Truppen unter dem Befehl von Josias von Sachsen-Coburg, die darauf abzielte, die französischen Invasoren wieder über die Maas zurückzudrängen und das bedrängte Maastricht zu befreien.Das Territorium rund um das kleine Städtchen Aldenhoven zwischen Aachen und Jülich wandelte sich an diesem Tag in ein riesiges Schlachtfeld. Die österreichische Armee nutzte ihre deutliche Überlegenheit an Kavallerie und die geschickte Ausnutzung der Topografie, um die Stellungen des französischen Generals René Joseph de La Noüe zu erschüttern. In den Morgenstunden durchbrachen die kaiserlichen Husaren und Kürassiere mit drastischer Wucht die feindlichen Linien. Die teils unerfahrenen französischen Truppen, die den raschen Ausfall der Österreicher nicht vorhergesehen hatten, gerieten unter dem heftigen Artilleriefeuer und den Reiterattacken rasch in Panik.
Die Niederlage der Franzosen war verheerend und führte zu einem ungeordneten Rückzug in Richtung Aachen. Der österreichische Sieg bei Aldenhoven zerschlug die französischen Hoffnungen auf eine dauerhafte Festsetzung im Rheinland auf einen Schlag. Durch diesen Erfolg gezwungen, musste der französische Oberbefehlshaber Charles-François Dumouriez die Belagerung von Maastricht umgehend abbrechen und seine Streitkräfte neu gruppieren. Aldenhoven ebnete den Weg für den anschließenden Sieg der Koalition in der Schlacht bei Neerwinden wenige Wochen später, welcher das Kräfteverhältnis in Nordwesteuropa vorübergehend wieder zugunsten der alten Mächte verschob.
18. März 1793 - Schlacht bei Neerwinden
Am 18. März 1793 entbrannte im hügeligen Brabant, im heutigen Belgien, die Schlacht bei Neerwinden. Sie markierte einen dramatischen Wendepunkt im Ersten Koalitionskrieg und versetzte den imperialen Ambitionen des revolutionären Frankreichs einen schweren Dämpfer. Nach der Hinrichtung König Ludwigs XVI. und der erfolgreichen Ausdehnung des französischen Einflusses im Vorjahr sah sich die junge Republik einer stark angewachsenen europäischen Allianz gegenüber. Die österreichischen Truppen unter dem erfahrenen Feldmarschall Prinz Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld schickten sich an, die zuvor verlorenen Österreichischen Niederlande zurückzuerobern, was den französischen Oberbefehlshaber Charles-François Dumouriez zum raschen Handeln zwang.Dumouriez, der noch im Herbst 1792 durch seinen Erfolg bei Valmy zum Helden aufgestiegen war, sah sich nun einer disziplinierten und gut organisierten kaiserlichen Armee gegenüber. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit und zunehmender Versorgungsprobleme befahl er den Angriff auf die österreichischen Stellungen bei den Dörfern Neerwinden und Oberwinden. Was folgte, war ein extrem verlustreicher und erbittert geführter Häuser- und Nahkampf. Mehrfach wechselten die strategisch wichtigen Ortschaften im Laufe des Tages den Besitzer. Während der französische linke Flügel unter General Francisco de Miranda im heftigen Artilleriefeuer der Österreicher zusammenbrach und ungeordnet zurückwich, konnte auch die von Dumouriez selbst geführte Mitte den entscheidenden Durchbruch nicht erzwingen.
Die Niederlage bei Neerwinden hatte weitreichende militärische und politische Konsequenzen. Innerhalb weniger Tage musste sich die französische Armee vollständig aus den Niederlanden zurückziehen, wodurch die nördliche Grenze Frankreichs wieder direkt bedroht war. Für Dumouriez bedeutete die Katastrophe das persönliche und politische Ende. Aus Furcht vor der Hinrichtung durch das Revolutionstribunal in Paris trat er in geheime Verhandlungen mit den Österreichern ein und lief schließlich zum Feind über. Dieser Verrat erschütterte das Vertrauen in die militärische Führung der Republik zutiefst und beschleunigte in Paris den Aufstieg der Jakobiner sowie die Errichtung der Schreckensherrschaft unter dem Wohlfahrtsausschuss.
14. April 1793 - Belagerung von Mainz
Im Frühjahr 1793 rückten die Truppen der anti-französischen Koalition erneut vor, um die im Vorjahr verloren gegangenen Gebiete am Rhein zurückzuerobern. Am 14. April 1793 schlossen preußische und österreichische Verbände unter der Führung des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen den Belagerungsring um Mainz. Die strategisch bedeutsame Festungsstadt war erst wenige Monate zuvor von französischen Revolutionstruppen besetzt worden, die dort mit dem Mainzer Jakobinerklub die erste Republik auf deutschem Boden ausgerufen hatten. Durch die vollständige Umschließung schnitten die Verbündeten die französische Besatzung sowie die verbliebene Zivilbevölkerung von jeglicher Zufuhr ab und leiteten damit eine monatelange, entbehrungsreiche Belagerung ein.
In den folgenden Wochen verwandelte sich die rheinische Metropole in ein Schauplatz pausenloser Artilleriegefechte und schwerer Bombardements. Während die preußischen und österreichischen Batterien aus dem Umland, etwa vom Hochheimer Höhezug, die Stadt systematically unter Feuer nahmen, erlitten historische Bauwerke wie der Mainzer Dom und zahlreiche Wohnviertel verheerende Zerstörungen. Innerhalb der Stadtmauern führten die fortwährenden Angriffe in Kombination mit drastischem Nahrungsmangel und drohenden Seuchen zu katastrophalen Zuständen. Trotz leidenschaftlicher Ausfälle der Verteidiger und des ideologischen Erbe-Bewusstseins der Mainzer Jakobiner erwies sich der Druck der Koalitionstruppen als überwältigend. Nach mehr als drei Monaten intensiver Belagerung kapitulierte die geschwächte französische Besatzung schließlich am 23. Juli 1793 und erhielt freien Abzug, womit das kurzzeitige revolutionäre Experiment in Mainz vorerst sein Ende fand.
Toulon 1793
Am südlichsten Zipfel der provenzalischen Küste, wo die mächtigen Kalkfelsen des Mont Faron spitz in den azurblauen Himmel ragen, schmiegt sich die geschichtsträchtige Hafenstadt Toulon an den Saum des Mittelmeers. Ihre einzigartige Geografie bildete schon seit der Antike, als die Römer hier den Purpurhafen Telo Martius gründeten, ein natürliches Amphitheater. Die steil abfallenden Berge schirmen das tief ins Land einschneidende Meeresbecken vor den peitschenden Winden ab und schufen so einen der am stärksten geschützten Naturhäfen in ganz Europa. Unter König Heinrich IV. begann im späten 16. Jahrhundert der gezielte Ausbau zum Militärhafen, ehe der legendäre Festungsbaumeister Sébastien Le Prestre de Vauban im Auftrag Ludwigs XIV. die Bucht in eine uneinnehmbare Festung verwandelte. Wie ein undurchdringlicher Schutzwall krönten massive Forts, weithin sichtbare Küstenbatterien und stumme Wachtürme die umliegenden Höhenzüge und zerklüfteten Vorgebirge, um das Herzstück der französischen Marine vor jedem Angriff von der Seeseite zu bewahren.
Doch mitten im Chaos der Französischen Revolution kippte das Schicksal der einstigen königlichen Bastion. Im heißen Sommer des Jahres 1793 brach in der Stadt offener Aufruhr aus, als sich die lokale Führung gegen den radikalen Kurs der Jakobiner und den Terror des Nationalkonvents in Paris auflehnte. Die aufgebrachte Bevölkerung schloss sich den föderalistischen Aufständen an, die bereits Städte wie Marseille und Lyon erfasst hatten. Daraufhin ächtete der Konvent die Stadt unverzüglich und entsandte ein entschlossenes republikanisches Heer unter dem Kommando von General Carteaux, das den Belagerungsring um die Landseite festzuziehen begann. Die Lage der Belagerten wurde durch den drohenden Hungertod zusehends aussichtsloser, bis die royalistische Stadtführung gemeinsam mit Teilen der konterrevolutionären Schiffsbesatzung eine folgenschwere Entscheidung traf.
Am 28. und 29. August 1793 öffnete Toulon seine vermeintlich unüberwindbaren Tore, hisste die weiße Flagge der Bourbonen und übergab den kriegswichtigen Kriegshafen kampflos an die herbeigeeilte vereinigte britisch-spanische Flotte unter dem Befehl des britischen Admirals Lord Samuel Hood und des spanischen Admirals Juan de Lángara. Mit diesem Pakt geriet nicht nur die wichtigste Marinebasis Südfrankreichs in die Hände der ersten Koalition, sondern mehr als dreißig Linienschiffe und damit fast ein Drittel der gesamten französischen Kriegsflotte fielen den Verbündeten kampflos in den Schoß. Dieser Akt schockierte das revolutionäre Paris zutiefst und veranlasste den Konvent zu grausamen Vergeltungsdrohungen. Die Übergabe legte den Grundstein für eine der folgenschwersten Belagerungen der europäischen Geschichte. Als der bisherige Artilleriekommandant der Republikaner verwundet wurde, übernahm auf Empfehlung des Volksvertreters Antoine Christophe Saliceti ein kaum bekannter, 24-jähriger korsischer Artilleriehauptmann namens Napoleone Buonaparte das Kommando über die Belagerungsartillerie. Mit seinem kühnen Plan, das strategisch entscheidende Fort de l'Eguillette an der Spitze der Halbinsel Caire zu erobern und von dort die britischen Schiffe aus der Rade von Toulon zu bomben, sollte der junge Offizier hier zum ersten Mal die Weltbühne betreten.
29. August 1793 - Admiral Hood besetzt Toulon
Im September 1793 forderten die vor Ort eingesetzten Konventskommissare Antoine Christophe Saliceti und Augustin de Gasparin den erst 24-jährigen korsischen Artilleriehauptmann Napoleone Bonaparte an, um das Kommando über die Geschütze bei der Belagerung des abtrünnigen Toulon zu übernehmen. Die strategisch bedeutsame Hafenstadt an der französischen Mittelmeerküste hatte sich im Zuge der föderalistischen Aufstände gegen den radikalen Pariser Nationalkonvent aufgelehnt und dem Erzfeind Großbritannien sowie dessen spanischen Verbündeten die Tore sowie die dort liegende französische Mittelmeerflotte geöffnet.
Bei der Planung zur Rückeroberung geriet der ehrgeizige Bonaparte rasch an den formalen Oberbefehlshaber der Belagerungsarmee, General Jean-François Carteaux. Während der unbedarfte Ehemalige Historienmaler Carteaux auf einen aussichtslosen Frontalangriff gegen die mächtigen Befestigungsanlagen der Stadt beharrte, erkannte Bonaparte die eigentliche Schwachstelle: Die Beherrschung der Landzunge von l’Eguillette und Balaguier, welche die innere und äußere Reede von Toulon teilte. Mit Hilfe seiner politischen Protektoren erwirkte Bonaparte beim Pariser Wohlfahrtskomitee schließlich die Abberufung des unfähigen Carteaux.
Unter dem neuen, erfahreneren General Jacques François Dugommier konnte Napoleon seinen taktischen Plan durchsetzen. In der Regennacht vom 16. auf den 17. Dezember 1793 stürmten die republikanischen Truppen unter Bonapartes persönlichem Einsatz die dort errichtete alliierte Festung Fort Mulgrave, von den Briten auch als „Kleines Gibraltar“ bezeichnet. Sobald die Franzosen die Anhöhen besetzt hatten und ihre Kanonen direkt auf die feindlichen Schiffe richten konnten, wurde die Position der Besatzer unhaltbar. Am 18. und 19. Dezember trat die britisch-spanische Flotte unter hastiger Evakuierung überstürzt den Rückzug an.
Als die Konventstruppen daraufhin in das befreite Toulon einrückten, begann das blutige Nachspiel. Die Volksdeputierten Paul de Barras, Stanislas Fréron und Augustin Robespierre, der jüngere Bruder des wohl mächtigsten Mannes der Schreckensherrschaft, verhängten über die Stadt ein unbarmherziges Strafgericht. Um ein Exempel an den Aufständischen zu statuieren, wurden Schätzungen zufolge bis zu 3.000 Menschen durch Standrecht, Massenerschießungen und die Guillotine hingerichtet, während der Name der Stadt per Konventsdekret vorübergehend aus den Akten getilgt und in *Port-la-Montagne* umbenannt wurde.
Bei der Planung zur Rückeroberung geriet der ehrgeizige Bonaparte rasch an den formalen Oberbefehlshaber der Belagerungsarmee, General Jean-François Carteaux. Während der unbedarfte Ehemalige Historienmaler Carteaux auf einen aussichtslosen Frontalangriff gegen die mächtigen Befestigungsanlagen der Stadt beharrte, erkannte Bonaparte die eigentliche Schwachstelle: Die Beherrschung der Landzunge von l’Eguillette und Balaguier, welche die innere und äußere Reede von Toulon teilte. Mit Hilfe seiner politischen Protektoren erwirkte Bonaparte beim Pariser Wohlfahrtskomitee schließlich die Abberufung des unfähigen Carteaux.
Unter dem neuen, erfahreneren General Jacques François Dugommier konnte Napoleon seinen taktischen Plan durchsetzen. In der Regennacht vom 16. auf den 17. Dezember 1793 stürmten die republikanischen Truppen unter Bonapartes persönlichem Einsatz die dort errichtete alliierte Festung Fort Mulgrave, von den Briten auch als „Kleines Gibraltar“ bezeichnet. Sobald die Franzosen die Anhöhen besetzt hatten und ihre Kanonen direkt auf die feindlichen Schiffe richten konnten, wurde die Position der Besatzer unhaltbar. Am 18. und 19. Dezember trat die britisch-spanische Flotte unter hastiger Evakuierung überstürzt den Rückzug an.
Als die Konventstruppen daraufhin in das befreite Toulon einrückten, begann das blutige Nachspiel. Die Volksdeputierten Paul de Barras, Stanislas Fréron und Augustin Robespierre, der jüngere Bruder des wohl mächtigsten Mannes der Schreckensherrschaft, verhängten über die Stadt ein unbarmherziges Strafgericht. Um ein Exempel an den Aufständischen zu statuieren, wurden Schätzungen zufolge bis zu 3.000 Menschen durch Standrecht, Massenerschießungen und die Guillotine hingerichtet, während der Name der Stadt per Konventsdekret vorübergehend aus den Akten getilgt und in *Port-la-Montagne* umbenannt wurde.
Siége de Toulon - VICTOIRES et CONQUÊTES des ARMÈES FRANCAISES
Bereits am 22. Dezember wurde Buonaparte zum Brigadegeneral befördert. Im März 1794 erhielt er das Kommando über die Artillerie der Italien-Armee. Als Robespierre gestürzt wurde, wurde auch gegen Napoleone ein Haftbefehl ausgestellt. Von 11. August bis zum 20. Bereits am 22. Dezember 1793 stieg der erst vierundzwanzigjährige Buonaparte nach dem fulminanten Erfolg bei der Belagerung von Toulon zum Brigadegeneral auf. Diese Beförderung eröffnete ihm das Tor zu den höheren militärischen Zirkeln Frankreichs, sodass er im März 1794 das Kommando über die Artillerie der Italien-Armee übernahm, die im bergigen Grenzgebiet zwischen Nizza und den Seealpen stationiert war. Doch der politischen Unruhe der Französischen Revolution konnte sich auch ein aufstrebender Offizier nicht entziehen. Als der Terrorfürst Maximilien de Robespierre beim Umsturz des 9. Thermidor gestürzt wurde, geriet Napoleone aufgrund seiner engen Verbindungen zu dessen jüngerem Bruder Augustin de Robespierre schlagartig unter Hochverratsverdacht. Ein Haftbefehl führte dazu, dass der junge General vom 11. bis zum 20. August 1794 im Fort Carré bei Antibes an der Mittelmeerküste unter Arrest gestellt wurde. Da die Untersuchungskommission in den Akten jedoch keinerlei belastende Anhaltspunkte für ein verschwörerisches Handeln fand, entging er der Guillotine und gelangte rasch wieder auf freien Fuß.
Trotz seines Freispruchs blieb Napoleons Karriere im turbulenten Fahrwasser der nach-thermidorianischen Epoche zunächst ins Stocken geraten. Im März 1795 ernannte man ihn zum General der Artillerie bei der West-Armee, um den anhaltenden royalistischen Aufstand im sumpfigen und unwegsamen Gebiet der Vendée niederzuschlagen. Buonaparte empfand diese Versetzung fernab des strategisch bedeutenden italienischen Kriegsschauplatzes als persönlichen sowie militärischen Abstieg und verweigerte den Dienstantritt beharrlich. Als Disziplinarmarkt folgte die umgehende Strafversetzung zur Infanterie, was er als tiefen Schlag gegen seine Ehre als Artillerist auffasste. Anstatt sich fügsam zurückzuziehen, entwickelte der ehrgeizige Korse in Paris ein unermüdliches Engagement und entwarf zahlreiche kühne Militäroperation und Strategiekonzepte, die er in hoher Frequenz beim Wohlfahrtsausschuss einreichte.
Schließlich fand seine unruhige Energie eine vorübergehende Zuflucht, als man ihn dem Topographischen Büro des Wohlfahrtsausschusses zuteilte. In dieser strategischen Denkfabrik der französischen Armeeführung verbrachte er Tage über detaillierten Karten sowie Lageplänen der europäischen Kriegsschauplätze und vertiefte sich intensiv in das Studium historischer Schlachtenverläufe und geografischer Gegebenheiten. Dieses akribische Durchdringen der Topografie und der Geschichte der Mittelmeerregion legte das theoretische Fundament für seine späteren, bahnbrechenden Feldzüge auf dem europäischen Kontinent.
Trotz seines Freispruchs blieb Napoleons Karriere im turbulenten Fahrwasser der nach-thermidorianischen Epoche zunächst ins Stocken geraten. Im März 1795 ernannte man ihn zum General der Artillerie bei der West-Armee, um den anhaltenden royalistischen Aufstand im sumpfigen und unwegsamen Gebiet der Vendée niederzuschlagen. Buonaparte empfand diese Versetzung fernab des strategisch bedeutenden italienischen Kriegsschauplatzes als persönlichen sowie militärischen Abstieg und verweigerte den Dienstantritt beharrlich. Als Disziplinarmarkt folgte die umgehende Strafversetzung zur Infanterie, was er als tiefen Schlag gegen seine Ehre als Artillerist auffasste. Anstatt sich fügsam zurückzuziehen, entwickelte der ehrgeizige Korse in Paris ein unermüdliches Engagement und entwarf zahlreiche kühne Militäroperation und Strategiekonzepte, die er in hoher Frequenz beim Wohlfahrtsausschuss einreichte.
Schließlich fand seine unruhige Energie eine vorübergehende Zuflucht, als man ihn dem Topographischen Büro des Wohlfahrtsausschusses zuteilte. In dieser strategischen Denkfabrik der französischen Armeeführung verbrachte er Tage über detaillierten Karten sowie Lageplänen der europäischen Kriegsschauplätze und vertiefte sich intensiv in das Studium historischer Schlachtenverläufe und geografischer Gegebenheiten. Dieses akribische Durchdringen der Topografie und der Geschichte der Mittelmeerregion legte das theoretische Fundament für seine späteren, bahnbrechenden Feldzüge auf dem europäischen Kontinent.
2. Oktober 1794 - Zweite Schlacht bei Aldenhoven
Am 2. Oktober 1794 bildete das nordrheinische Tiefland zwischen der Rur und der Maas die Kulisse für eine der entscheidendsten militärischen Auseinandersetzungen des Ersten Koalitionskrieges: die Zweite Schlacht bei Aldenhoven, in der französischen Geschichtsschreibung oft als Bataille de Aldenhoven oder Bataille de la Roer bekannt. Nachdem die französische Sambre-und-Maas-Armee unter dem energischen Befehl von General Jean-Baptiste Jourdan im Sommer 1794 in der Schlacht bei Fleurus die österreichischen Truppen aus den Österreichischen Niederlanden vertrieben hatte, wichen die kaiserlichen Verbände unter Feldzeugmeister François Sébastien Charles Joseph de Croix, Graf von Clerfayt, nach Osten zurück. Clerfayt wählte das Herzogtum Jülich als neue Verteidigungslinie und schlug seine Stellungen entlang des Ostufers der Rur auf.Die geografischen Gegebenheiten prägten den Verlauf dieses Zusammentreffens maßgeblich. Die Hauptverteidigungslinie der Österreichers erstreckte sich von Düren im Süden über Jülich bis hinab nach Linnich und Rurdorf im Norden. Das flache, von sanften Hügelketten durchzogene Terrain im Rurtal bot zwar gute Sichtfelder für die kaiserliche Artillerie, doch der Fluss selbst wies aufgrund der vorangegangenen Regenfälle eine spürbare Strömung auf. Das Zentrum der österreichischen Befestigungen lag nahe der Ortschaft Aldenhoven, wo eine starke Schanze auf dem Galgenberg die Straßenkreuzung zwischen Aachen, Jülich und Köln deckte. Clerfayt verfügte über rund 76.000 Soldaten, während Jourdans herandrängende Revolutionsarmee eine Übermacht von knapp 100.000 Mann ins Feld führte.
Der Angriff der Franzosen begann in den frühen Morgenstunden des 2. Oktober bei dichtem Nebel. Jourdan wählte eine breite Front offensive, um die Verbände Clerfayts an mehreren Punkten gleichzeitig zu binden und ein Eingreifen von Reserven zu verhindern. Auf dem linken Flügel stieß General Jean-Baptiste Kléber gegen den nördlichen Abschnitt bei Ratheim und Linnich vor, um den Flussübergang zu erzwingen. Im Zentrum führte General François-Joseph Lefebvre den Hauptstoß auf die stark befestigte Stellung von Aldenhoven. Trotz des heftigen Kartätschenfeuers aus den österreichischen Schanzen drängten die französischen Kolonnen unaufhaltsam vorwärts. Die Bajonettangriffe der französischen Infanterie durchbrachen schließlich die Verschanzungen auf den Höhen von Aldenhoven, was die Verteidiger zum geordneten Rückzug auf die Festung Jülich zwang.
Gleichzeitig entspann sich am südlichen Flügel bei Düren ein erbitterter Kampf. Hier gelang es den Truppen unter General Louis Jacques Baraguey d’Hilliers und General Jean-Etienne Championnet, die Rur zu durchwaten und die steilen Uferböschungen zu erklimmen. Als die Nachricht vom Fall der Hauptschanze bei Aldenhoven die Runde machte und die französische Artillerie das Westufer der Rur vollständig beherrschte, drohte der österreichischen Armee die Einschließung. Graf von Clerfayt erkannte die Aussichtslosigkeit einer weiteren Verteidigung und gab am späten Nachmittag den allgemeinen Rückzugsbefehl in Richtung des Rheins.
Der Sieg bei Aldenhoven hatte weitreichende geopolitische Folgen für das Rheinland. Die Niederlage zerschlug die letzte organisierte Widerstandslinie der Kaiserlichen westlich des Rheins. Bereits am folgenden Tag besetzten die Franzosen die Festung Jülich, und binnen weniger Wochen fielen Köln, Bonn und Krefeld in die Hände der Revolutionsarmee. Die Zweite Schlacht bei Aldenhoven besiegelte damit das Ende der jahrhundertealten territorialen Ordnung des Heiligen Römischen Reiches im Rheinland und leitete eine zwanzigjährige Phase der französischen Herrschaft über die linksrheinischen Gebiete ein.
13. Vendémaire 1795
Im ereignisreichen Spätsommer des Jahres 1795 schien die militärische Laufbahn des jungen korsischen Offiziers vorerst beendet, als er im September aufgrund seiner Weigerung, ein Kommando im Bürgerkrieg der Vendée zu übernehmen, aus der Liste der aktiven Generäle gestrichen wurde. In dieser prekären Lage fügte es das Schicksal, dass Napoleon in Paris auf den einflussreichen Konventsabgeordneten Paul de Barras traf, den er bereits bei der Belagerung von Toulon kennengelernt hatte. Barras wirkte gerade maßgeblich an der Ausarbeitung der Verfassung des III. Jahres mit. Dieses neue Regelwerk etablierte das spätere Direktorialregime, ein konservativ-republikanisches System, das konzipiert worden war, um sowohl eine Rückkehr der königstreuen Royalisten als auch eine erneute Schreckensherrschaft der radikalen Jakobiner zu verhindern.
Als der Nationalkonvent daraufhin festlegte, dass zwei Drittel der neuen Abgeordneten aus den Reihen des bisherigen Konvents stammen mussten, entflammte der Unmut der Pariser Bevölkerung. Die Royalisten nutzten die angespannte Lage geschickt aus, wiegelten die bürgerlichen Sektionen der Hauptstadt auf und lösten am 13. Vendémiaire – dem 5. Oktober 1795 – einen bewaffneten Aufstand aus. Da der Sitz des Konvents im Tuilerien-Palast unmittelbar bedroht war, übertrug das Parlament dem Zivilisten Barras den Oberbefehl über die Armee des Inneren. Barras, der sich seiner militärischen Unerfahrenheit bewusst war, scharte unverzüglich fähige Offiziere um sich. Unter ihnen befand sich auch der stellenlose Bonaparte, der sogleich entschlossen die Initiative ergriff.
Eine Schlüsselrolle bei den folgenden Ereignissen spielte der junge Reiterfachmann Joachim Murat. Dieser war am 25. März 1771 im südfranzösischen La Bastide-Fortunière nahe Cahors als Sohn eines wohlhabenden Gastwirts zur Welt gekommen. Ursprünglich für die geistliche Laufbahn bestimmt, besuchte Murat das Collège in Cahors und studierte anschließend Theologie an der Universität von Toulouse. Doch der Ausbruch der Französischen Revolution änderte seinen Lebensweg grundlegend. Er verließ das Seminar, trat in die Armee ein und diente kurzzeitig in der konstitutionellen Garde Ludwigs XVI. Durch ungestüme Tapferkeit, leidenschaftlichen Eifer für die republikanische Sache und sein herausragendes Talent als Kavallerist stieg er rasch zum Kommandeur eines Regiments berittener Jäger auf.
In der kritischen Nacht vor dem Aufstand schickte Napoleon den kühnen Murat mit einer Schwadron Kavallerie in das Militärlager von Sablons bei Neuilly-sur-Seine. In einem wettlaufartigen Marsch gelang es Murat, das dortige Artilleriepark-Depot vor den Rebellen zu sichern und 40 Kanonen mitten durch die verängstigte Stadt zu den Tuilerien zu schaffen. Napoleon ließ diese Geschütze in den engen Gassen rund um die Kirche Saint-Roch aufstellen und verhalf dem Konvent mit einer kompromisslosen Kartätschensalve zum Sieg über den zahlenmäßig weit überlegenen Aufstand.
Dieser blutige Einsatz rettete nicht nur die Republik, sondern festigte auch die lebenslange Verbindung zwischen Bonaparte und seinem getreuen Weggefährten Murat. Napoleons rücksichtsloses, aber wirkungsvolles Handeln brachte ihm endgültig das Vertrauen der führenden Republikaner ein. Am 26. Oktober 1795 stieg er zum kommandierenden General der Armee des Inneren auf und stieg damit in die oberste Führungsriege Frankreichs auf. Um seine Integration in die französische Nation auch symbolisch zu besiegeln, legte er die italienische Schreibweise seines Namens, Buonaparte, endgültig ab und unterzeichnete von diesem Wendepunkt an nur noch als Napoleon Bonaparte.







