St. Helena


22. Juni 1815 - Zweite Abdankung


Als Napoleon am 20. Juni wieder in Paris eintraf, fand er bei den Kammern nicht nur keine Unterstützung für seinen Plan, den Kampf fortzusetzen, sondern dieselben drohten ihm sogar mit Absetzung, ja Verhaftung, wenn er nicht sofort abdanke.

Am 22. Juni 1815 diktierte er seine zweite und endgültige Abdankung und proklamierte gleichzeitig seinen Sohn unter dem Titel „Napoleon II.“ zum Kaiser der Franzosen.

Die provisorische Regierung unter Fouché nahm zwar die Abdankung an, gab die Entscheidung über des Kaisers Sohn jedoch an die Alliierten weiter.

Der Zweite Pariser Frieden wurde am 20. November 1815 von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Kaiser Franz I. von Österreich und Zar Alexander I. von Russland unterzeichnet. Damit waren die Bourbonen wieder einsetzt.

Am 29. Juni erreichte Napoleon Rochefort. Er hoffte dort ein Schiff nach Amerika besteigen zu können. Fouché ließ den ehemaligen Kaiser auf der rund 3 Kilometer langen und 600 Meter breiten Insel Île d'Aix festsetzen. In Le Bourg wurde er im Maison de l’Empéreur untergebracht.


Bellerophon


Das britische Kriegsschiff Bellerophon unter dem Kommando von Captain Maitland kreuzte vor Rochefort und wurde wenig später durch weitere kleinere Schiffe verstärkt. Damit war eine Flucht praktisch unmöglich geworden.

Paris kapitulierte am 3. Juli und am 8. Juli kehrte Ludwig XVIII. in die Hauptstadt zurück. Napoleon plante nun in England um Asyl zu bitten. Alles war besser als den Royalisten oder Preussen in die Hände zu fallen.

Am 14. Juli schrieb er einen Brief an den Prinzregenten George. Entgegen dem Rat seiner verbliebenden Verbündeten ging Napoleon einen Tag später an Bord der Bellerophon. Begleitet wurde er von General Bertrand und seiner Frau, dem Ehepaar Montholon, Las Cases, Marchand sowie einigen Dienern.

Das Kriegsschiff segelte mit seinem „Gast“ erst nach Torquay und dann nach Plymouth. Napoleon durfte das Schiff nicht verlassen. Vom Ufer und von vorbeifahrenden Schiffen aus wurde er von neugierigen Zuschauern beobachtet.

Die Briten hielten sich auf die während des Wiener Kongress beschlossene Achterklärung. Am 31. Juli erhielt er die Nachricht, dass er kein Gast sondern ein Gefangener war. Bereits am 7. August wurde er auf die Northumberland überführt. Zwei Tage später setzte das Schiff Kurs auf die Atlantikinsel St. Helena.
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Napoleon on Board the Bellerophon - William Quillen Orchardson (1832 - 1910)

Dezember 1815 - Longwood


Im Dezember 1815 wurde ihm Longwood, eine Meierei auf der Hochebene der Insel, als vorläufige Wohnung angewiesen. Bereits 1815 begannen die Pläne für die Errichtung eines größeren Domizils für den ehemaligen Kaiser, denn das von jetzt an Longwood Old House genannte Gebäude war immer nur als Übergang gedacht. Nachdem er die Erschöpfung der letzten Monate überwunden hatte, wurde ihm sein Aufenthalt bald unerträglich. Seine Ungeduld und Reizbarkeit ließ er an dem Gouverneur Sir Hudson Lowe aus, der durch die Befehle der Großmächte zu strenger Bewachung gezwungen war.

Seine Umgebung schmiedete fortwährend Fluchtpläne und forderte durch Versuche, mit Europa geheime Verbindungen anzuknüpfen, und durch maßlose Ansprüche scharfe Gegenmaßregeln Lowes heraus, über die man sich dann mit lauten Klagen beschwerte, bis Lowe alle Gefährten Napoleons, außer Bertrand und Montholon, von St. Helena entfernte.

Als man Napoleon nicht mehr erlauben wollte, ohne militärische Aufsicht ins Freie zu gehen, verließ er seine Wohnung nicht mehr. Meist beschäftigte er sich mit dem Diktieren der "Mémoires de Ste-Hélène", in denen er sein Leben, seine Absichten und Taten so darstellte, wie er sie von der Nachwelt aufgefasst wissen wollte, und sich mit dem erlogenen Schein der Vaterlands- und Freiheitsliebe und des Strebens nach der höhern Zivilisation der Menschheit umhüllte.

Anfang 1820 war Longwood New House fertig gestellt, doch Napoleon weigerte sich umzuziehen. Als Begründung diente ihm ein Eisenzaun, der einen unansehnlichen alten Holzzaun ersetzen sollte, welcher ihn an einen Gefängniszaun erinnerte. Longwood New House wurde kurz nach dem zweiten Weltkrieg abgerissen.

5. Mai 1821 - Der Adler schließt die Augen


Am 5. Mai 1821 starb Napoleon in Longwood. Sein Leichnam wurde an der von Napoleon vorab selbst gewählten Stelle im Tal Stane feierlich beigesetzt.

Fast zwanzig Jahre nach Napoleons Tod auf St. Helena, wurden am 15. Oktober 1840 Napoleons sterbliche Überreste durch den Prinzen Joinville in königlicher Mission exhumiert und am 08. Dezember auf der Fregatte «La belle Poule» nach Frankreich überführt.

Mit feierlichem Staatsakt fand der grosse Franzose am 15. Dezember 1840 im Invalidendom zu Paris seine letzte Ruhestätte.
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Napoléon in Sainte-Hélène - Franz Josef Sandmann (1805 - 1856)

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