Vom General zum Konsul
29. April 1799 - Rastatter Gesandtenmord
Der Rastatter Gesandtenmord stellt ein dunkles Kapitel der europäischen Diplomatiegeschichte dar, welches das ohnehin brüchige Völkerrecht am Ende des 18. Jahrhunderts auf eine Belastungsprobe stellte.
Im späten 1797 trat im Schloss Rastatt der Rastatter Kongress zusammen, um die Entschädigungen für die durch den Frieden von Campo Formio an Frankreich abgetretenen linksrheinischen Territorien im Rahmen des Heiligen Römischen Reiches zu verhandeln. Über Monate hinweg zogen sich die komplexen Beratungen hin, während die politische Spannung auf dem Kontinent unaufhaltsam stieg. Mit dem Ausbruch des Zweiten Koalitionskrieges im Frühjahr 1799 und den ersten militärischen Konfrontationen zwischen Österreich und Frankreich verlor der Kongress zusehends seine Geschäftsgrundlage. Nach dem Abzug der kaiserlich-österreichischen Delegation um den Reichsgrafen von Metternich löste sich die Versammlung weitgehend auf. Schließlich forderte der österreichische Militärkommandant, Oberst Joseph Barbaczy, die verbliebenen französischen Bevollmächtigten Ultimativ zum Verlassen der Stadt auf
In den späten Abendstunden des 28. April 1799 brachen die französischen Diplomaten Antoine Bonnier d’Arco, Claude Roberjot und Jean Debry zusammen mit ihren Familien, Kanzleibeamten und Bediensteten in einer Kolonne von Kutschen auf, um über den Rhein in die Heimat zurückzukehren. Sie hatten die Tore der Stadt kaum passiert und befanden sich außerhalb der Stadtmauern nahe dem Rheintor, als bewaffnete Husaren der kaiserlichen Armee das Feuer eröffneten und die Wagen stürmten.
Die Angreifer wendeten gezielte und rücksichtslose Gewalt gegen die Gesandten an. Antoine Bonnier d’Arco und Claude Roberjot wurden noch am Tatort von den Säbeln der Soldaten tödlich getroffen. Jean Debry überlebte den Anschlag wie durch ein Wunder, da er trotz schwerer Verletzungen tot stellte und im Dunkeln im Gebüsch Schutz fand. Den Begleitern, Kanzleimitarbeitern und den mitreisenden Frauen blieb das Leben meist verschont, doch wurden die Kisten mit den diplomatischen Papieren und Depeschen der Gesandtschaft systematisch durchsucht und entwendet.
Die Nachricht von dem Überfall löste in ganz Europa Entsetzen aus, da der Mord an akkreditierten Diplomaten unter dem Schutz des Völkerrechts einen präzedenzlosen Bruch internationaler Normen darstellte. Die französische Seite beschuldigte den Wiener Hof und das kaiserliche Militärkommandotagebuch des gezielten Raubes geheimer Staatsdokumente und der Auftragsermordung. Die österreichische Führung hingegen wiegelte ab, sprach von zuchtlosen Freischärlern oder Raubmördern in Uniform und leitete Untersuchungen ein, die jedoch rasch ohne klare Ergebnisse verliefen.
Obwohl Historiker bis heute darüber streiten, ob der Angriff ein offiziell befohlener Raubzug nach Geheimpapieren war, der völlig aus dem Ruder lief, oder eine eigenmächtige Tat disziplinloser Einheiten, war das politische Ergebnis eindeutig. Der Rastatter Gesandtenmord vergiftete die Beziehungen zwischen der Französischen Republik und dem Kaiserhaus vollends, zerstörte jegliche verbliebene Hoffnung auf eine friedliche Einigung auf dem diplomatischen Parkett und verhärtete die Fronten im Zweiten Koalitionskrieg nachhaltig.
16. Oktober 1799 - Napoleon ist wieder in Paris
Napoleon erreichte am frühen Morgen des 16. Oktober 1799 seine Wohnung in der Rue Chantereine in Paris. Bevor er sich der Politik widmen konnte, musste er erst eine familiäre Angelegenheit klären. Napoleon fand zwar eine kostspielig eingerichtete Wohnung vor, jedoch nicht die dazugehörende Ehefrau. Erst zwei Tage später tauchte Josephine auf und erklärte, dass sie ihm entgegengefahren war und leider verpasst hatten. Zuerst wollte Napoleon sie nicht sehen, aber dann verzieh er ihre Affäre mit Hippolyte Charles und verwarf den Gedanken an eine Scheidung.
Napoleon wandte sich an die Direktoren und diese boten ihm ein Kommando seiner Wahl an. Da die außenpolitischen Gefahren weitgehend gebannt waren, General Masséna hatte großen Anteil daran, richtete sich Napoleons Blick auf die Innenpolitik. Die Vendée und die Bretagne hatten sich wieder erhoben, die Straßen waren unsicher. Beamte warteten vergeblich auf ihre Gehälter, während viele Arbeiter arbeitslos waren. Der Ruf nach dem König war in jeder Gasse zu hören und die Republik war erneut in höchster Gefahr.
Napoleon hatte zunächst vor sich zum Direktor wählen zu lassen und wandte sich an Barras. Dieser war jedoch schon in enger Verhandlung mit den Royalisten und für 12 Millionen Franc sollte er den Weg für den König freimachen. Napoleon wurde von Barras an Gohier, dem Vorsitzenden Direktor, verwiesen. Gohier beharrte darauf, dass ein Direktor mindestens vierzig Jahre alt sein musste. Mehr oder wenig riet er dem General in zehn Jahren wieder zu kommen. Napoleon wurde klar, dass er gegen die aktuelle Regierung keine Chance hatte.
Umsturzpläne
Zwar wurde Napoleon nach seiner Rückkehr aus Ägypten auf dem Weg nach Paris von den Menschen gefeiert, aber in Paris hatte er noch keine ausreichende Macht um die Verhältnisse zu verändern. Zu seinem Glück trat Joseph Sieyés, der Autor der berühmten Schrift "Was ist der Dritte Stand", mit ihm in Verbindung. Die beiden Männer, so unterschiedlich sie auch waren, fanden schnell zueinander. Sieyés benötigte ein "Schwert" und Napoleon einen erfahrenen Politiker. Gemeinsam arbeiteten sie einen Plan aus um das Direktorium zum Rücktritt zu zwingen. Ohne Exekutive sollten die beiden Ratskammern einen Dreierausschuss ernennen, der eine neue Verfassung erarbeiten sollte. Um Druck auf die Kammern ausüben zu können, sollten die Abgeordneten am 18. Brumaire des Jahres VIII auf das Schloss Saint-Cloud eingeladen werden.
Napoleon und Sieyés begannen nun Verbündete zu suchen. Neben Talleyrand und Napoleons Brüdern Joseph und Lucien wurden führende Mitglieder des Rates der Alten eingeweiht. Lucien, der mittlerweile zum Vorsitzenden der Fünfhundert gewählt worden war, sollte eine besondere Rolle bei diesem Unterfangen spielen. Auch Fouché führte es in die Rue Chantereine und ließ sich bei Bonaparte melden. Doch dieser konnte mit dem Namen Fouché nichts anfangen und ließ ihn über eine Stunde im Vorzimmer warten. Erst als Napoleon von einem Mitverschwörer über die Bedeutung des Gastes informiert wurde, eilte Napoleon zu seinem wartenden Gast hinaus. Ihr erstes Treffen dauerte zwei Stunden und Napoleon wurde von Fouché genau über die Lage Frankreichs und des Direktoriums informiert. Fouché bot sich als Helfer an, ohne öffentlich Stellung zu beziehen.
Der Polizeiminister von Frankreich, sonst bestens über alle Vorgänge informiert, übersah in den nächsten Wochen geflissentlich alle Hinweise auf den bevorstehenden Staatsstreich. Seine täglichen Berichte an die Direktoren erwähnten Napoleon mit keinem Wort. Schweigend verriet er die Regierung.
Fouché lud die Verschwörer sogar zu sich ins Haus ein und als Ehrengast erschien Gohier. Als der Präsident des Direktoriums sich nach den neuesten Gerüchten erkundigte, antwortet Fouché nur süffisant, während den anderen Gäste der Atem stockte.
Gohier und Barras blieben die Aktivitäten letztendlich doch nicht verborgen und beide versuchten Napoleon auf ihre Weise zu gewinnen. Aber Napoleon lehnte das Kommando über eine Armee im Ausland ab, sowie Barras Angebot Mitglied einer Verschwörung mit dem Ziel der Wiedererrichtung der Monarchie zu werden.
Napoleon war in einer denkbar ungünstigen Lage für einen Umsturzversuch. Er hatte weder Geld, dieses hatte Josephine in seiner Abwesenheit bereits unter die Leute gebracht, noch hatte er, im Gegensatz zu Caesar als er den Rubikon überschritt, Soldaten unter seinem Kommando.
9. November 1799 - Saint-Cloud
Am Morgen des 18. Brumaire, der 9. November 1799, kommt der Polizeiminister nur sehr schwer aus dem Bett. Erst zwei aufgeregte Boten des Direktoriums gelingt es ihn zu wecken. Er tut überrascht, als man ihn über sich zusammenziehende Truppen und sonderbare Vorgänge im Senat informiert.
Währenddessen hatte Napoleon führende Offiziere zu sich eingeladen und jedem seine Absicht erklärt. Der wichtigste von ihnen war General Lefébvre, der Militärgouverneur von Paris. Napoleon reichte ihm seinen Degen als Zeichen der Anerkennung und nach wenigen Minuten hatte er Lefébvre auf seiner Seite.
Cornet, ein Verbündeter, warnte den Rat der Alten vor einer drohenden royalistischen Verschwörung und riet dazu eine dringende Sitzung im sicheren Schluss Saint-Cloud abzuhalten. Gleichzeitig sollte Napoleon zum Kommandanten von Paris ernannt werden um die Sicherheit der Räte zu gewährleisten. Der Rat der Alten willigte ein und um zehn Uhr leistete Napoleon in den Tuilerien seinen Treueid. 300 Soldaten wurden sofort zu den Direktoren geschickt. Gohier und Moulins traten zurück, doch Barras konnte erst durch Talleyrand und eine halbe Millionen Franc dazu bewegt werden.
Der erste Teil des Plans war aufgegangen, das Direktorium war ausgeschaltet. Jetzt machte sich Napoleon auf den Weg zum Schloss. Kaum haben die Verschwörer mit ihren Truppen die Stadt verlassen, riegelte der Polizeiminister zur "Sicherheit" die Hauptstadt ab. Nur noch Fouchés Boten durften ungehindert passieren, jede Nachricht aus Saint-Cloud ging über seinen Schreibtisch.
Der Rat der Alten tagte in der Galerie d'Apollon und wurde über Rücktritt der Direktoren informiert. Widererwarten beschlossen diese jedoch, ein neues Direktorium zu wählen, statt einen Ausschuss mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung zu beauftragen.
Napoleon wollte jetzt persönlich den Rat umstimmen und gemeinsam mit Berthier und Bourriene betrat er die Sitzung und ergriff das Wort. Doch er versagte dabei auf ganzer Linie. Ohne Vorbereitung und Konzept warf er pathetische Phrasen in den Raum und nach wenigen Minuten hatte er den Rat der Alten gegen sich aufgebracht. Auf Bourriennes Rat hin verließ Napoleon die Sitzung.
Napoleon beschloss den Rat der Fünfhundert persönlich aufzusuchen. Dieser tagte in der Orangerie des Schlosses. Kaum hatte er die Orangerie betreten, schon stürmten die Abgeordneten wütend auf ihn zu. Der Jakobiner Bigonnet packte ihn wütend am Arm und versuchte ihn aus der Sitzung zu drängen. Immer mehr Abgeordnete erhoben sich von ihren Sitzen und gingen gegen Napoleon vor. Sein Bruder Lucien, der als Vorsitzender der Versammlung vorsaß, versuchte die Abgeordneten vergeblich zu beruhigen. Die Abgeordneten dachten nicht daran und forderten die Ächtung des Diktators. Lucien drohte sein Amt niederzulegen und konnte so wichtige Minuten gewinnen. Geordnet sollte nun über die Ächtung, und damit das Todesurteil Napoleons, abgestimmt werden. Lucien teilte Napoleon mit, dass dieser nur noch zehn Minuten hätte um die Situation zu retten.
Napoleon verließ den Saal, ging zu den Soldaten. Er schickte eine Eskorte in die Orangerie um seinen Bruder aus der Versammlung zu holen. Vor den Soldaten hielt er eine Rede und warb um ihr Vertrauen. Erst Lucien brachte den entscheidenden Vorteil. Er, der Vorsitzende des Rates der Fünfhundert, zog seinen Degen und hielt ihn an die Brust seines Bruders. Er versicherte seinen Bruder zu durchbohren, falls dieser die Freiheit der Franzosen unterdrücken sollte.
Von dieser Geste überwältigt stellten sich die Soldaten hinter Napoleon. Leclerc und Murat wurden beauftragt die Orangerie zu räumen. Die Abgeordneten skandierten für die Republik sterben zu wollen und flüchteten gleichzeitig durch die Fenster in die Wälder.
Bis zum Abend gelang es etwa 80 Abgeordnete zu versammeln und diese erklärten das Direktorium für beendet. Wie geplant ernannten sie einen Ausschuss. Napoléon Bonaparte, Emmanuel Joseph Sieyès und Roger Ducos wurden vorläufig zu Konsuln ernannt und einen Monat später durch die neue Verfassung bestätigt. Napoleon war als Erster Konsul der mächtigste Mann Frankreichs geworden.
Der Polizeiminister informierte am nächsten Tag die Bürger von Paris über die Rettung der Republik und das Ende des Direktoriums. Sicher hatte sich Fouché auch für den Fall des Misserfolgs vorbereitet. Ein paar Wochen später wird die Komödie "Die Wetterfahne von Saint-Cloud" uraufgeführt und darin die Rolle des Polizeiministers Fouché vortrefflich parodiert.
Von dieser Geste überwältigt stellten sich die Soldaten hinter Napoleon. Leclerc und Murat wurden beauftragt die Orangerie zu räumen. Die Abgeordneten skandierten für die Republik sterben zu wollen und flüchteten gleichzeitig durch die Fenster in die Wälder.
Bis zum Abend gelang es etwa 80 Abgeordnete zu versammeln und diese erklärten das Direktorium für beendet. Wie geplant ernannten sie einen Ausschuss. Napoléon Bonaparte, Emmanuel Joseph Sieyès und Roger Ducos wurden vorläufig zu Konsuln ernannt und einen Monat später durch die neue Verfassung bestätigt. Napoleon war als Erster Konsul der mächtigste Mann Frankreichs geworden.
Der Polizeiminister informierte am nächsten Tag die Bürger von Paris über die Rettung der Republik und das Ende des Direktoriums. Sicher hatte sich Fouché auch für den Fall des Misserfolgs vorbereitet. Ein paar Wochen später wird die Komödie "Die Wetterfahne von Saint-Cloud" uraufgeführt und darin die Rolle des Polizeiministers Fouché vortrefflich parodiert.
Das Konsulat beginnt
Am 13. Dezember trat die neue Konsulatsverfassung in Kraft. Napoleon wurde zum Ersten Konsul auf 10 Jahre gewählt und war damit praktisch Alleinherrscher über Frankreich geworden. Artikel 1 der neuen Verfassung wurde für Napoleon zu einer großen Bürde: "Die französische Republik ist eins und untheilbar." Damit war verfassungsmäßig ausgeschlossen, dass Napoleon bei eventuellen Friedensgesprächen irgendwelche Gebietsabtretungen akzeptieren durfte. Die neue Verfassung wurde im Februar 1800 durch eine Volksabstimmung angenommen und galt formell bis 1815.
www.thermidor.de
14. Juni 1800 - Marengo
Bei Marengo kam es am 14. Juni 1800 zum entscheidenden Sieg Napoleons über die Österreicher, auch wenn Napoleon selbst bei dieser Schlacht keinen so großen Einfluss auf die Entscheidung hatte. Der Schlachtverlauf war an Dramaturgie kaum zu überbieten. Die Österreicher waren seit Tagen auf dem Rückzug und Napoleon erwartete ihre Flucht über das Mittelmeer. In Wirklichkeit überraschte der österreichische Oberkommandierende Michael von Melas die Franzosen und versuchte mit seinen Truppen durch die französischen Linien zu brechen. Tatsächlich gelang es ihm die unvorbereiteten Franzosen empfindlich zu treffen. Melas hatte sich bereits aus der gewonnen Schlacht zurückgezogen und das Kommando seinem Stellvertreter General von Zach übergeben, als am Nachmittag die Truppen von Desaix das Schlachtfeld erreichten. Doch auch ihnen gelang es nicht den Vormarsch der Österreicher zu stoppen. Desaix wurde tödlich getroffen und das französische Zentrum zerbrach.
Verzweifelt griff der französischer Kavalleriegeneral François-Etienne Kellermann die Flanke an und es gelang ihm General von Zach zu isolieren. In diesem Moment wandte sich das Blatt und die schockierten Österreicher verfielen in Panik und flohen. Fast die gesamte österreichische Artillerie fiel daraufhin in die Hände der Franzosen. Bereits einen Tag später unterzeichnete der österreichische Oberbefehlshaber einen Vertrag worin er sich verpflichtete, Genua, Piemont und die Lombardei zu räumen.
Schlacht bei Marengo - Louis-François Lejeune (1775 - 1848)
24. Dezember 1800 - Attentat
Am Heiligen Abend des Jahres 1800 schwebte der Erste Konsul Napoleon Bonaparte nur um Haarscharf an einem gewaltsamen Tod vorbei. Frankreich stand zu diesem Zeitpunkt am Scheideweg zwischen den blutigen Wirren der ablingenden Revolution und der beginnenden Konsolidierung einer neuen, autoritären Ordnung. Während die französische Bevölkerung nach Jahren der Instabilität nach Ruhe lechzte und die Erfolge des jungen Generals in Italien feierte, wuchs in den Schatten der Hauptstadt der Widerstand. Sowohl radikale Jakobiner als auch unnachgiebige royalistische Anhänger der Bourbonen sahen in Napoleon einen Tyrannen, der ihren jeweiligen politischen Idealen im Wege stand.
Die Drahtzieher der Verschwörung stammten aus dem Lager der Chouans, der royalistischen Aufständischen aus der Bretagne. Unter der entfernten Regie des Rebellenführers Georges Cadoudal entwickelten die Royalisten Pierre Robinault de Saint-Régent und François-Joseph Carbon einen finsteren Plan zur Beseitigung des Machthabers. Sie konstruierten eine sogenannte Höllenmaschine, eine der ersten Autobomben der Geschichte. Dabei handelte es sich um ein mächtiges, mit Schwarzpulver, Kartätschen, Nägeln und Schrott gefülltes Holzfass, das fest auf einem von einem Pferd gezogenen zweirädrigen Karren montiert war. Als Standort für den Anschlag wählten die Verschwörer die schmale, verwinkelte Rue Saint-Nicaise im Herzen von Paris, welche das Palais des Tuileries mit dem nahegelegenen Théâtre de la République verband.
Gegen acht Uhr abends verließ die Konsulatskutsche die Tuilerien. Napoleon, erschöpft von der Arbeit und auf dem Weg zu einer Festaufführung von Joseph Haydns Oratorium Die Schöpfung, verfiel in der Kutsche in einen leichten Schlaf. Mit ihm reisten führende Persönlichkeiten wie General Jean Lannes und Kriegsminister Louis-Alexandre Berthier, während seine schwangere Ehefrau Joséphine mit weiteren Verwandten in einer zweiten Kutsche folgte. Napoleon Kutschenführer, der Berichten zufolge reichlich Alkohol konsumiert hatte, lenkte die gespannten Pferde mit außergewöhnlich hoher Geschwindigkeit durch die engen Straßen der Hauptstadt.
Als der konsularische Tross die Rue Saint-Nicaise erreichte, bemerkte der Kutscher das im Weg stehende Gespann der Attentäter erst im letzten Moment und manövrierte die schwere Kutsche im scharfen Galopp daran vorbei. Nur wenige Sekunden zu spät entzündete Saint-Régent die Lunte. Die daraus resultierende Detonation erschütterte die gesamte Pariser Innenstadt mit ungeheurer Gewalt. Die Wucht der Explosion riss das Pferd des Karrens in Stücke, zerstörte umliegende Häuserfassaden komplett und schleuderte Trümmerteile hunderte Meter weit. Napoleons Kutsche schwankte heftig, und die Fensterscheiben zersprangen in tausend Teile, doch das Gespann fuhr unaufhaltsam weiter. Joséphines nachfolgende Kutsche wurde von der Druckwelle erfasst; ihre Tochter Hortense erlitt Schnittwunden durch fliegendes Glas, während Joséphine selbst mit dem Schrecken davonkam.
Das Attentat forderte einen schrecklichen Blutzoll unter den unbeteiligten Passanten. Mindestens fünf Personen starben auf der Stelle, dutzende weitere wurden schwer verletzt, und mehr als zwanzig Gebäude fielen der Zerstörung anheim. Napoleons Wagen erreichte schließlich die Oper, wo der Erste Konsul das Gebäude mit blassem, aber unbewegtem Gesicht betrat. Das Pariser Publikum empfing ihn mit stehenden Ovationen, als die Nachricht von seinem Überleben die Ränge erreichte.
In den folgenden Stunden nutzte Napoleon das Verbrechen mit eiskaltem Kalkül zur politischen Säuberung. Obwohl sein Polizeiminister Joseph Fouché von Anfang an die tatsächlichen royalistischen Täter vermutete, wies der Erste Konsul die Schuld öffentlich sofort den linken Jakobinern zu. In einer Welle der Repression wurden über hundert führende Republikaner ohne stichhaltige Beweise nach Guayana deportiert oder unter Hausarrest gestellt. Erst als die polizeilichen Ermittlungen Fouchés unumstößliche Beweise gegen die Royalisten erbrachten und Carbon sowie Saint-Régent Anfang 1801 gefasst und hingerichtet wurden, korrigierte die Führung das offizielle Narrativ.
Das Attentat in der Rue Saint-Nicaise verfehlte sein Ziel auf dramatische Weise und kehrte sich in sein genaues Gegenteil um. Anstatt das Regime zu stürzen, festigte der Anschlag Napoleons Machtposition nachhaltig. Die Pariser Bevölkerung rückte angesichts des blutigen Schocks enger um ihren Herrscher zusammen. Napoleon nutzte die Gunst der Stunde, um das Polizeisystem weiter auszubauen, Grundrechte einzuschränken und schrittweise jenes Fundament der Unantastbarkeit zu errichten, das ihn nur vier Jahre später auf den kaiserlichen Thron heben sollte.
Attentat auf Napoleon - Die Französische Revolution (Wilhelm Blos)
Das Ende der Ägyptischen Expedition
Während der Konsul Napoleon Bonaparte in Frankreich und Europa seine Position festigte, erfuhr seine Ägypten-Expedition ihren Gnadenstoß. Kléber war sich der aussichtslosen Situation seiner Armee bewusst und handelte mit den Osmanen den freien Abzug aus Ägypten aus. Doch Großbritannien forderte die bedingungslose Kapitulation und die Gefangennahme der Franzosen. Daraufhin wurden die Kampfhandlungen wieder aufgenommen. Die Briten und die Osmanen glaubten, die Armée d'Orient sei jetzt zu schwach, um sich ihnen zu widersetzen, und so marschierte Yussuf Pascha nach Kairo, wo die lokale Bevölkerung seinem Aufruf zum Aufstand gegen die französische Herrschaft folgte.
Bei Heliopolis wurden die Osmanen am 20. März 1800 von Kléber vernichtend geschlagen und Kairo nach Niederschlagung eines erneuten Aufruhrs wieder besetzt. Kléber selbst wurde am 14. Juni 1800 in Kairo von einem Muslim ermordet. Sein Nachfolger wurde Menou.
Im Februar des Jahres 1801 landeten britische Truppen bei Abukir um die Franzosen aus Ägypten zu verjagen. Im Sommer gelang es ihnen Kairo zu befreien, im September kapitulierten die französischen Truppen in Alexandria. Damit war die Ägyptenexpedition von Napoleon Bonaparte endgültig beendet.
Bataille D'Héliopolis - VICTOIRES et CONQUÊTES des ARMÈES FRANCAISES
9. Februar 1801 - Frieden von Lunéville
Der Frieden von Lunéville, der am 9. Februar 1801 unterzeichnet wurde, markierte das Ende des Zweiten Koalitionskrieges und besiegelte die europäische Vorherrschaft Frankreichs unter dem Ersten Konsul Napoleon Bonaparte. Nach den entscheidenden Siegen der französischen Truppen in der Schlacht von Marengo in Oberitalien und der Schlacht von Hohenlinden in Bayern sah sich Kaiser Franz II. gezwungen, getrennte Friedensverhandlungen aufzunehmen, um den drohenden Zusammenbruch des Habsburgerreichs abzuwenden. Als Verhandlungsort diente die lothringische Stadt Lunéville, wo der französische Außenminister Charles-Maurice de Talleyrand gemeinsam mit Napoleons Bruder Joseph Bonaparte den kaiserlichen Gesandten Graf Ludwig von Cobenzl schrittweise in eine Position der Alternativlosigkeit manövrierte.
Mit der Ratifizierung des Vertrages wurden die Bestimmungen des vorausgegangenen Friedens von Campo Formio nicht nur reaktiviert, sondern zu Gunsten Frankreichs erheblich verschärft. Österreich erkannte das Rheinufer definitiv als die natürliche Ostgrenze Frankreichs an, womit die gesamten linksrheinischen Territorien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation dauerhaft an die Französische Republik fielen. Dies umfasste unter anderem die Kurfürstentümer Trier, Mainz und Köln sowie bedeutende Teile der Pfalz. Zugleich sah sich der Kaiser genötigt, die von Frankreich errichteten Tochterrepubliken völkerrechtlich anzuerkennen, darunter die Batavische, die Helvetische, die Ligurische und die Cisalpinische Republik.
Die geographischen und politischen Neuordnungen betrafen auch die italienischen Besitzungen des Hauses Habsburg in erheblichem Maße. Während Österreich das Herzogtum Mailand und das Großherzogtum Toskana aufgeben musste, verblieb Venetien zwar bei der Habsburgermonarchie, doch der Einfluss des Kaisers auf der italienischen Halbinsel wurde weitgehend zurückgedrängt. Das bisherige Großherzogtum Toskana wurde in das Königreich Etrurien umgewandelt und dem Haus Bourbon-Parma zugesprochen, was den strategischen Handlungsspielraum der Franzosen in Mittelitalien festigte.
Besonders folgenschwer erwies sich der Frieden von Lunéville für die innere Struktur des Heiligen Römischen Reiches. Der Vertrag legte fest, dass die von den territorialen Verlusten links des Rheins betroffenen weltlichen Fürsten innerhalb des Reiches entschädigt werden sollten. Diese Bestimmung setzte eine Kettenreaktion in Gang, die zwei Jahre später im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gipfelte. Die daraus resultierende Säkularisation der geistlichen Fürstentümer und die Mediatisierung der reichsunmittelbaren Städte ordneten die deutsche Landkarte grundlegend neu, stärkten die mittelgroßen deutschen Staaten wie Bayern, Württemberg und Baden und leiteten schließlich das endgültige Aus für das tausendjährige Heilige Römische Reich im Jahr 1806 ein.
Auf internationaler Ebene isolierte der Vertrag von Lunéville Großbritanien, das nun als letzte verbliebene Großmacht isoliert im Krieg gegen das napoleonische Frankreich verblieb. Dies ebnete den Weg für den kurzzeitigen Frieden von Amiens im darauffolgenden Jahr. Für Napoleon Bonaparte bedeutete der Friedensschluss von Lunéville einen triumphale innen- wie außenpolitische Konsolidierung seiner Herrschaft. Er festigte sein Ansehen als Friedensbringer und geschickter Diplomat, der die Errungenschaften der Französischen Revolution territorial absicherte und Frankreich zur unbestrittenen Vormacht auf dem europäischen Kontinent erhob.
27. März 1802- Frieden von Amiens
Der Frieden von Amiens, unterzeichnet am 27. März 1802 im Rathaus der nordfranzösischen Stadt Amiens, markierte den Wendepunkt im Konflikt zwischen der Französischen Republik und dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland. Nach fast einem Jahrzehnt ununterbrochener Kriegshandlungen innerhalb der Ersten und Zweiten Koalition schuf dieser Vertrag die einzige anhaltende Friedensphase im Zeitraum von 1792 bis 1814. An der Verhandlungstafel standen sich mit dem britischen Diplomaten Charles Cornwallis, Marquis Cornwallis, und dem älteren Bruder des Ersten Konsuls, Joseph Bonaparte, zwei erfahrene Repräsentanten gegenüber, die über Monate hinweg um die Bedingungen des Abkommens gerungen hatten.
Die Voraussetzungen für diesen Schritt entwickelten sich im Zuge tiefgreifender politischer Umwälzungen auf beiden Seiten des Ärmelkanals. In Frankreich hatte Napoleon Bonaparte nach seinem Staatsstreich des 18. Brumaire im November 1799 die Macht an sich gerissen und seine Stellung durch militärische Erfolge in Italien sowie den Vertrag von Lunéville mit Österreich gefestigt. Auf britischer Seite führte die enorme wirtschaftliche Belastung des Krieges in Kombination mit einer dramatischen Missernte und den sozialen Unruhen der Jahre 1800 und 1801 zu einer Kriegsmüdigkeit in der Bevölkerung. Als der kompromisslose britische Premierminister William Pitt der Jüngere im März 1801 im Streit um die katholische Emanzipation zurücktrat, wählte sein Nachfolger Henry Addington einen versöhnlicheren Kurs, der den Weg für Verhandlungen freimachte.
Im Zentrum des Vertragswerks standen bedeutende territoriale Zugeständnisse, wobei Großbritannien die Hauptlast der Zugeständnisse trug. Die Briten verpflichteten sich, nahezu alle seit Beginn des Krieges eroberten französischen, spanischen und niederländischen Kolonien an deren ursprüngliche Besitzer zurückzugeben. Lediglich die strategisch wertvollen Inseln Trinidad in der Karibik, die zuvor zu Spanien gehörte, und das niederländische Ceylon im Indischen Ozean verblieben unter britischer Krone. Im Gegenzug willigte Frankreich ein, seine Truppen aus dem Königreich Neapel sowie aus dem Kirchenstaat zurückzuziehen und die Unabhängigkeit der Republik der Sieben Inseln im Ionischen Meer anzuerkennen. Ein besonders heikler Verhandlungspunkt betraf Ägypten, das nach der gescheiterten Expedition Napoleons und der Kapitulation der verbliebenen französischen Verbände wieder dem Osmanischen Reich übergeben wurde.
Der am intensivsten umkämpfte Streitpunkt des Vertrages betraf das Schicksal des Malteserordens auf der Insel Malta. Die britische Flotte hatte die Mittelmeerinsel im September 1800 nach einer Belagerung besetzt. Der Vertrag von Amiens sah explizit vor, dass Großbritannien seine Streitkräfte innerhalb von drei Monaten vom Archipel abziehen und die Insel an den Johanniterorden zurückgeben sollte, wobei die Neutralität Maltas von den europäischen Großmächten garantiert werden musste. Zudem versprach Frankreich, die Integrität Portugals zu achten, das im Orangenkrieg von 1801 schwer bedrängt worden war.
Die Reaktionen auf die Unterzeichnung fielen in den Hauptstädten spektakulär aus. Sowohl in London als auch in Paris feierten die Menschen das Abkommen mit Jubel, Illuminationen und Bällen, da die Bevölkerung nach Jahren der Entbehrung auf eine dauerhafte Rückkehr zum Wohlstand hoffte. Insbesondere für die britischen Kaufleute öffnete sich kurzfristig der Zugang zum europäischen Kontinent, während französische Adlige und britische Touristen erstmals wieder ungehindert die Grenzen überschreiten konnten. Für Napoleon Bonaparte bedeutete der Friedensschluss einen enormen innenpolitischen Prestigegewinn, den er im August 1802 nutzte, um sich durch ein Volksbegehren zum Konsul auf Lebenszeit erklären zu lassen.
Trotz der anfänglichen Euphorie erwies sich der Frieden von Amiens rasch als ein instabiler Waffenstillstand, der auf unüberbrückbaren Gegensätzen beruhte. Die britische Regierung unter Addington stellte schockiert fest, dass Napoleon den Frieden nicht für eine wirtschaftliche Demobilisierung nutzte, sondern die französische Hegemonie in Westeuropa konsequent ausbaute. Frankreich erließ strenge Schutzzölle gegen britische Waren, verweigerte den Abschluss eines Handelsvertrags und gliederte das Piemont sowie Parma direkt in das französische Staatsgebiet ein, während Napoleon zeitgleich seine Kontrolle über die Helvetische Republik und die Batavische Republik festigte.
Als Reaktion auf das französische Ausgreifen verweigerten die Briten den vereinbarten Abzug ihrer Truppen aus Malta, da sie die Insel als unverzichtbaren Stützpunkt gegen die anhaltenden expansiven Ambitionen Frankreichs im Mittelmeerraum und im Orient betrachteten. Als Napoleon ultimativ die Räumung Maltas forderte und den britischen Botschafter Lord Whitworth öffentlich maßregelte, steuerte die Krise auf ihren Höhepunkt zu. Am 18. Mai 1803 erklärte Großbritannien Frankreich erneut den Krieg, womit der Frieden von Amiens nach nur vierzehn Monaten endgültig scheiterte und die Ära der Napoleonskriege einleitete.
Napoleon und die Eidgenossen
Nachdem die französischen Truppen 1802 aus der Schweiz abzogen wurden, entwickelte sich dort eine starke gegenrevolutionäre Bewegung. 1803 stand die Helvetische Republik kurz vor der Teilung. Napoleon Bonaparte versuchte zwischen den Parteien zu vermitteln (médiation) und gleichzeitig den französischen Einfluss in der Schweiz zu vergrößern.
"Helvetien, der Zwietracht preisgegeben, war mit seiner Auflösung bedroht. In sich selbst konnte es die Mittel nicht finden, um wieder zu einer verfassungsmäßigen Ordnung zu gelangen." (Praeambel der Mediationsakte)
Auf seinen Druck versammelten sich Abgeordnete der Schweiz in Paris und erarbeiteten eine neue Verfassung. Mit der Mediationsakte (Acte de Médiation) wurden die Schweizer Kantone gestärkt und die Zentralregierung abgeschafft.
Die Mediationsakte wurde am 19. Februar 1803 von Napoleon unterzeichnet, am 5. März vom Helvetischen Senat angenommen und trat am 10. März 1803 in Kraft. Auf dem Wiener Kongress wurde beschlossen, dass zu den neunzehn Mediationskantonen das Wallis, Genf und Neuenburg ebenfalls zur Schweiz gehörten.







